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Der lange Weg bis zur Christus-Kirche - ein kleiner historischer Abriss
(Auszüge aus der Festschrift zur 50 Jahr-Feier der Christuskirche)

von Pastor Sascha Lohmann

Der nachfolgenden Darstellung liegt im Wesentlichen eine „Chronik über die kirchliche und schulische Entwicklung der beiden Ortschaften Kronshagen und Ottendorf" des Lehrers und Kirchenältesten Walter Bartsch zugrunde, die der Christusgemeinde in ihrem Gründungsjahr 1946 vom Verfasser vermacht wurde und sich im Archiv der Kirchen­gemeinde befindet. Die angegebenen Zitate stammen aus dieser Chronik.

Kopperpahl war das erste Dorf, das 1297 in den Besitz der Stadt Kiel gelangte und in dieser Hinsicht die stattliche Rei­he der sogenannten Kieler Stadtdörfer eröffnete. Bis 1452 gehörten sämtliche Dörfer des späteren Gutes und Amtes Kronshagen dem Heiligengeistkloster in Kiel.

Diese historische Verbindung ist der Grund dafür, das Krons­hagen und Ottendorf von jeher der Kieler Kirchengemeinde zugeordnet wurden, auch wenn die Besitzverhältnisse sich veränderten.

Bis 1871 bildete die Stadt Kiel zusammen mit den Stadtdörfern einen einzigen Pfarrbezirk, dessen Kirche St. Nikolai am Kieler Markt war. So wurde das alte Amt Kronshagen seelsorglich u. a. von dem namhaften Kieler Hauptpastor und Propst Claus Harms (1778-1855) betreut.

1871 wurde das Gebiet der Kirchengemeinde St. Nikolai in vier Pfarrbezirke geteilt. Einer dieser Bezirke war St. Jakobi, dem auch Kronshagen und Ottendorf zugeteilt wurden. Von 1887 bis 1908 wechselte die Zugehörigkeit zum Pfarrbezirk Vicelin, während Kopperpahl dem Bezirk Ansgar zufiel und erst 1938 wieder mit dem übrigen Kronshagen in einer Kirchengemeinde zusammengeführt wurde.

 

1908 schließlich wurden neun nunmehr selbständige Kirchengemeinden gebildet. Seitdem gehörten Kronshagen und Ottendorf zum II. Bezirk, dem sogenannten Außenbezirk der Jakobigemeinde mit ihrer Kirche am Knooper Weg in Kiel.

 

Nachdem zunächst die Gottesdienste nur in einer Schule in Ottendorf stattfanden, bemühte man sich um einen Raum in Kronshagen. Hier stand zunächst nur der Saal der Dorfwirtschaft "Brunos Lust" zur Verfügung. Ab 1912 gestattete die Gemeinde Kronshagen die vierzehn­tägliche Feier von Gottesdiensten in einem der Klassenräu­me der im Jahr zuvor neu errichteten Schule an der Kopper­pahler Allee (heute Brüder-Grimm-Schule).

 

Am 6. Februar 1914 wird für den Jakobi-Landbezirk von Propst Feddersen ein „kirchlicher Verein" gegründet. In diesem Zusammenhang wird der Wunsch nach dem Bau einer Kirche in Kronshagen immer lauter. Walter Bartsch berichtet: „In diesem Jahr ist die Bautätigkeit in Kronsha­gen sehr rege und die Neuhinzuziehenden aus Kiel sind Kir­chen gewohnt. Immer wieder wird betont, kirchliche Feste, Gottesdienste, Trauungen und Taufen beim Klang der Orgel sind feierlicher als in einem Schulraum."

Im Sommer 1917 kam das Kirchenkollegium auf Einladung von Propst Fedder­sen nach Kronshagen, um einen Platz für den Kirchenbau auf der dortigen, im Besitz des Parochialverbands (Zusammenschluss der neun Kieler Kirchengemeinden) befindli­chen Hufenstelle festzulegen. Die Höhe des Geländes - der Heischberg - erschien für einen Kirchenbau sehr geeignet. Der Ausgang des Ersten Weltkrieges mit seinen auch für die Kirche umwälzenden Veränderungen lassen jedoch die Kirchbaupläne in den Hintergrund treten.

Im März 1934 kam dann als möglicher Platz für die neue Kirche zum ersten Mal das Grundstück an der Ecke Kopper­pahler Allee und Hasselkamp auf die Tagesordnung. Im sel­ben Jahr übernahm Vikar Ernst Scharrenberg die seelsorgli­che Betreuung des Außenbezirkes der Jakobigemeinde und wurde am 1. April 1937 Inhaber der neu errichteten eigenen Pfarrstelle für den Außenbezirk Kronshagen-Ottendorf mit Wohnsitz in Kronshagen.

Als Gottesdienstraum wurde der Zeichensaal der Kronshagener Schule gemietet. Gottes­dienste wurden wöchentlich abwechselnd in Kronshagen, in Ottendorf und zwischendurch im Altersheim am Otten­dorfer Weg gefeiert. Die Konfirmationen fanden dagegen immer in der Jakobi-Kirche statt: „Pastor, Kirchenälteste, Angehörige der Konfirmanden fuhren gemeinsam in Au­tobussen zur Konfirmationsfeier." Ab Herbst 1939 bis zur Einweihung der Christus-Kirche 1961 wurde die Kapelle auf dem Eichhof als Gottesdienstraum genutzt.

Der Startschuss für den Kirchenneubau ließ jedoch weiter auf sich warten, weil um die Frage des Bauplatzes intensiv gerungen wurde: Zur Rede standen neben dem heutigen Standort der Platz vor dem großen Kreuz auf dem Gelän­de des Friedhofes Eichhof an der Kopperpahler Allee und das Grundstück direkt gegenüber der Schule. In den Kriegs­jahren 1939-41 wurde in Verhandlungen zwischen Bür­germeister Drews und dem Parochialverband der heutige Standort als Bauplatz für die Kirche festgelegt. Mit dem Bau der Kirche konnte aber wegen des Krieges und der damit in Verbindung stehenden Bausperre nicht begonnen werden.

Bevor schließlich der Bau der Kirche in Angriff genommen wurde, entstand 1953 das Pastorat im Hasselkamp, heute Teil des Gemeindezentrums der seit 1946 eigenständigen Christusgemeinde Kronshagen. „Bei ständig wachsender Gemeindegliederzahl (von rund 3400 in den Jahren vor dem Kriege auf 8559 im Jahre 1959) erwies sich jedoch dieses Arbeitszentrum als zu klein, der Bau von Kirche und Gemeindehaus wurde dringend."

» Persönliche Erinnerungen an die Zeit des Kirchenbaus

Auszüge einer Zusammenstellung von Propst i. R. Jörgen Sontag anlässlich des 25jährigen Kirchweihjubiläums 1986

Unter den vielen Augenzeugen, die den Bau der Kirche und seine unmittelbaren Vorbereitungen miterlebt und sich hier und da mündlich oder schriftlich geäußert haben, hebt sich eine Stimme besonders deutlich hervor. Frau Marlene Schmid geb. Barz hat zum Abschluss ihrer Schulzeit eine große Jahresarbeit über den „Bau der Christuskirche zu Kronshagen" geschrieben. Das war 1963/64; die Erinnerun­gen waren noch ganz frisch. Aus dieser Arbeit sollen nach­folgend einige wichtige Abschnitte zitiert werden.

Baubeginn

„Im Juni 1959 wurden auf dem .Kirchhügel' Bohrungen vorgenommen. Sie waren für statische Berechnungen not­wendig, weil der Turm 31 Meter hoch werden sollte. Am 25. Januar 1960 wurde mit den Erdarbeiten für die Christuskirche in Kronshagen begonnen. Das Aussehen des Kirchbauplatzes änderte sich täglich. Der ,Kirchhügel' wur­de bis auf eine Höhe von 1,40 Meter abgetragen."

Der frühere Kirchenälteste Richard Gehl erinnert sich: „Das Gelände, auf dem die Kirche stehen sollte, wurde von Herrn Kock, Villenweg, als Viehweide benutzt. Als bekannt wurde, dass dort die Kirche errichtet werden sollte, entsetzte sich die Jugend und fragte: ,Und wo sollen wir jetzt rodeln?'"

„Auf der Baustelle herrschte reges Leben. Es dauerte nicht lange, bis trotz des winterlichen Wetters die ersten Mauern aus der Erde wuchsen. Das Fundament für den Kirchturm, das bei einer Höhe von einem Meter 6x7Meter groß ist, war ebenfalls fertiggestellt worden(...)."

Anfang März (1960) war der Anbau des Gemeindehauses (der das Pastorat am Has­selkamp mit der Kirche verbindet) bis zur Decke fertig. Es sollte das Treppenhaus, die Toiletten, zwei Jugendräume und den Konfirmandensaal aufnehmen. Da die Witterung für den Bau recht günstig war, konnten die Arbeiten schnell vorangetrieben werden. Der künftige Altarraum wurde bis zu Fußbodenhöhe des Kirchenschiffs hochgemauert. Die Fundamentierung der Nordseite der Kirche war abgeschlos­sen, während die Arbeiten für die Südseite zügig voran­gingen. Im Gemeindehaus war die Decke über dem Erdgeschoss geschüttet worden (...).

Über das schnelle Wachsen der Mauern herrschte überall Freude. Man wunderte sich, dass noch keine Grundsteinlegung erfolgt war. Diese war jedoch bewusst zurückgestellt worden, weil der Gesamtplatz erst überschaubar sein und auch bei den Erdarbeiten ein einigermaßen ausgeglichener Zustand erreicht werden sollte."

Das Richtfest

„Drei große Kreuze auf weißem Grund schmückten am 30. August 1960 als Kirchenfahnen den Turm des neuen Got­teshauses in Kronshagen. Der Anlass für diese Ausschmü­ckung war das am gleichen Tage stattfindende Richtfest. Vor der eigentlichen Richtfeier hatte es stark geregnet. Groß war die Freude, als der Himmel seine .Schleusen' während und nach der Richtfeier geschlossen hielt.

Zu der Feierstunde an der Baustelle hatte sich neben vielen Ehrengästen und den Handwerkern auch eine ansehnliche Zahl von Gemeindegliedern an dem späteren Haupteingang versammelt. Eine mächtige Richtkrone war vor dem Beginn der Feier in Höhe der Spitze des Kirchturmes angebracht worden. Nach einem Eingangslied trug der Zimmerpolier seine Rede und den Richtspruch vor. Herr Propst Sontag gab in einer Ansprache seiner und un­serer Freude darüber Ausdruck, dass das Bauvorhaben wirklich schnell vorangekommen war. Auch aus dem vom Kirchenchor vorgetragenen Kanon wurde die große Dank­barkeit der Gemeinde erkennbar.

In der Gaststätte .Königstein' wurde dann der nach altem Brauch übliche Richtschmaus eingenommen. Herr Bürger­meister Rust und Herr Pastor Plath vom Kirchengemein­de-Verband Kiel überbrachten Wünsche und Grüße ihrer Dienststellen. In Fröhlichkeit und Dankbarkeit vergingen die Stunden (...)."

Fertigstellung der Kirche

„Im Oktober 1960 wurden bereits die Eindeckungsarbeiten am Kirchen- und Turmdach beendet. Die politische Gemein­de Kronshagen hatte den Zuschuss für die Turmuhr soweit erhöht, dass die Uhr jetzt allein aus der Spende der Kommu­nalgemeinde finanziert werden konnte. Mit ihren vergolde­ten Ziffern und Zeigern wurde die vierseitige Uhr zu einem .Schmuckstück' unseres Kirchturmes.

 Am 6. Oktober 1960 wurden auf dem Kirchturm eine ver­goldete Kugel, über der ein ebenfalls vergoldeter Wetter­hahn .thront', und an der Westseite des Kirchendaches ein vergoldetes Kreuz angebracht. Die Kugel enthält neben ei­ner Pergamenturkunde mit Datum und Unterschriften aller am Bau beteiligten Persönlichkeiten eine Bauzeichnung, eine Tageszeitung und einige gebräuchliche Münzen. Die­se Dinge sollen späteren Generationen kundtun, was heute geschaffen wurde.

 An der Außenfront des nach Osten zu gelegenen Altarrau­mes wurde am 27. Oktober 1960 ein großes dunkles Ei­chenkreuz angebracht. Hiermit wurde der Würde dieses wichtigen Teils unserer Kirche auch nach außen hin Aus­druck verliehen."

Glockenguß und -weihe

„ .Festgemauert in der Erden' standen die Formen'für die vier Glocken der Christuskirche Kronshagen, als sich am 17. Februar 1961, 18.30 Uhr, in Kochendorf bei Heilbronn der glühende Erzstrom in die Formen ergoß. Jemand, der dabei gewesen ist, erzählte mir, dass der Glockenguß ge­nauso vor sich ging, wie es Schiller im ,Lied von der Glocke' schildert. Die Vorbereitungen für den Guß hatten mehrere Wochen gedauert. Der Guß selbst war innerhalb von zehn Minuten beendet."

„Die Kronshagener Glocken wurden nacheinander, die größte zuerst, die kleinste zuletzt, gegossen. Während die größte Glocke 1.540 kg wiegt, weisen die Folgenden Ge­wichte von 890 kg, 610 kg und 480 kg auf. Die Glocken sind in der Reihenfolge von der größten zur kleinsten auf die Töne d, f, g und b gestimmt."

Die Glocken tragen jede ein Bibelwort als Inschrift.

Die größte Glocke:
Einen andern Grund kann niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. (1. Korinther 3,11)

Die zweitgrößte Glocke:
Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.
(Johannes 14,27)

Die drittgrößte Glocke:
Und seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens. (Epheser 4,3)

Die kleinste Glocke:
Sie blieben aber beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. (Apostel­geschichte 2,42)

 „Am 6. März 1961, 14.30 Uhr, wurden die Glocken auf dem Kirchvorplatz in einer schlichten Feier geweiht. Die Feier wurde von Herrn Pastor Scharrenberg gestaltet, der in sei­ner Ansprache daran erinnerte, dass das Glockengeläut eine stete Mahnung für alle Menschen sein solle, und dass sie sowohl der Freude als auch dem Leide Ausdruck geben."

Die Einweihung der Kirche

„An einem kühlen, aber sonnigen Märztag, dem 19. März 1961, wurde die Christuskirche in Kronshagen eingeweiht. In kleinem Kreise nahm man vormittags Abschied von der Kapelle auf dem Friedhof Eichhof. Manchem war diese in der Zeit vom Herbst 1939 bis zum Frühjahr 1961 zu einer .Herberge des Herzens', wie Herr Pastor Scharrenberg sie einmal nannte, geworden. Die Geschichte der Kronshage­ner Kirchengemeinde wird immer mit der Eichhofkapelle verbunden bleiben.

Am Nachmittag des gleichen Tages, 15 Uhr, erfolgte die Weihe des neuen Gotteshauses. Schon lange vor der Zeit versammelte sich eine große Menschenmenge. Da nicht alle Anwesenden im Innenraum der Kirche Platz fanden, mussten sich viele während der Feier im Konfirmandensaal oder auf dem Vorplatz der Kirche aufhalten. Für diese wurde die Weihehandlung durch Lautsprecher übertragen.

Die Feier begann mit dem Festzug des Kirchenvorstandes, der Geistlichen und der Gäste, der sich vom Gemeinde­haus über den Hasselkamp und die Kopperpahler Allee zum Haupteingang der Kirche bewegte. Hier übergab Herr Archi­tekt Petersen den Schlüssel Herrn Propst Sontag, der ihn an Herrn Bischof Halfmann weiterreichte. Der Bischof übergab den Schlüssel dann Herrn Pastor Scharrenberg. Nun zog der Festzug, der die gottesdienstlichen Geräte, auch je eine Bibel für Kanzel und Altar, mit sich führte, in die Kirche ein (...)."

Der "Neubau"

Um dem stark gestiegenen Raumbedarf Rechnung zu tragen, wurde in den Jahren 1990/91 ein Anbau an das Gemeindezentrum realisiert. Hier fanden insbesondere die Arbeit mit Jugendlichen und mit Menschen mit Behinderungen eine neue Heimat. Darüber hinaus wurden ein Besprechungsraum, zwei Wohnungen für den Küster und den Zivildienstleistenden sowie ein neuer Zugang zum Gemeindesaal geschaffen. Letzterer konnte nun durch den neu eingebauten Fahrstuhl auch von Menschen mit Gehbehinderung besser erreicht werden.

Sanierungsarbeiten

Auch die Gebäude im kirchlichen Gemeindezentrum unterliegen einem natürlichen Verschleißprozess. Während der Turm nicht nur Wind und Wetter standhalten muss, wirken auch die Kräfte der Glocken bei jedem Geläut. Das Kirchengebäude und das Gemeindezentrum werden intensiv durch Kirchengänger und Besucher genutzt.

Deshalb hatte sich der Kirchenvorstand entschlossen, in 2010 den Kirchturm mit einem finanziellen Aufwand von TEUR 240 sanieren zu lassen, um die technische und statische Sicherheit zu gewährleisten.

Im ersten Halbjahr 2011 wurde der Kircheninnenraum mit einem Aufwand von TEUR 420 renoviert. Nicht nur die Wände erstrahlen seit dem in einem dezenten Grau, sondern die Decke wurde unter Einbindung eines Akustikers erneuert, so dass sich die akustischen Eigenschaften der Kirche erheblich verbessert haben. Ebenso wurde ein Beleuchtungskonzept entwickelt, das auf die verschiedenen Gottesdiensthandlungen optimal abgestimmt ist.

In 2015 began die Sanierung des Gemeindezentrums. Hierbei soll berücksichtigt werden, dass die räumliche Situation der Christusgemeinde an die gesunkene Mitgliederzahl, die geringere Finanzausstattung und den veränderten Raumbedarf angepasst wird. Deshalb ist eine Verringerung der genutzten Fläche notwendig. Dies soll durch eine Neuordnung der Flächen und den Abriss des maroden "Neubaus" erfolgen.

In einem ersten Schritt wurden das Dach des Gemeindezentrums neu eingedeckt und das Dachgeschoss ausgebaut. Seitdem befinden sich hier insbesondere die Räume für die Jugendarbeit.

Die Umbauarbeiten sollen in 2017 fortgesetzt werden, wenn der Ende 2016 neu gewählte Kirchengemeinderat seine Arbeit aufgenommen hat.